Land & Arbeit · Analyse

Das Land, das den Tee wachsen lässt, gehört niemandem, der ihn pflückt.

Darjeelings kleinbäuerliche Teebetriebe bewirtschaften dieselben Hänge wie die großen Kolonialplantagen. Für sie gelten völlig andere Gesetze, Rechte und Zukunftsaussichten.

Es gibt zwei Teeindustrien in Darjeeling. Die eine ist gut dokumentiert: 87 große Plantagen, britischen Ursprungs, die unter der berühmtesten Teemarke der Welt handeln, geschützt durch eine geografische Herkunftsangabe und geregelt durch ein Gesetz von 1951.

Die andere ist schwerer zu sehen.

Sie besteht aus Tausenden von Kleinbauern, die Tee auf Flächen anbauen, für die sie keine Eigentumsurkunde besitzen, auf Grundlage einer Klassifizierung aus der Kolonialzeit, ausgeschlossen von genau der Marke, die ihre Region geschaffen hat.

Teebewachsene Hügel über dem Mahanadi-Tal im Distrikt Darjeeling
Dieselben Hänge, dieselbe Höhenlage, dieselbe Varietät. Anders ist nur, wer dem Blatt einen Namen geben darf.Foto: Swikriti Rai, Darjeeling.

Diese Kleinbauern werden Small Tea Growers genannt, kurz STGs. Sie bauen Tee auf Land an, das als khasmahal eingestuft ist: eine Kategorie staatlichen Landes, das Bewohner nutzen, aber nicht besitzen, verkaufen oder verpachten dürfen.

Sie kultivieren dieselbe Varietät auf derselben Höhenlage. Sie erzeugen Tee, der vom Terroir her erkennbar Darjeeling ist.

Und sie bleiben von Gesetzes wegen außerhalb des Rahmens, der Darjeeling-Tee seinen kommerziellen Wert verleiht.

Das ist ein Teil der Architektur eines Systems, das im neunzehnten Jahrhundert entworfen und nie angemessen abgebaut wurde.

87

Plantagen, die das Darjeeling-GI-Siegel führen dürfen

0

Small Tea Growers, die derzeit als GI-registrierte Erzeuger anerkannt sind

50%+

Des gesamten indischen Tees stammt inzwischen von Kleinbauern, der regulatorische Rahmen bleibt dennoch plantagenzentriert

„Über Generationen hinweg bleiben die Arbeiterinnen und Arbeiter landlos und eingeschlossen und erfahren vielfältige Formen der Marginalisierung.“

International Journal for Equity in Health, 2020, über Plantagenarbeit in Indien (aus dem Englischen übersetzt)

Zwei Industrien, ein Hang

Die 87 Kolonialplantagen Small Tea Growers (STGs)
Registriert unter dem Plantation Labor Act 1951 Bewirtschaften khasmahal-Land ohne formalen Titel oder patta-Rechte
Halten Pachtverträge über Staatsland, die bis in die britische Kolonialverwaltung zurückreichen Nicht als GI-registrierte Erzeuger anerkannt
Berechtigt, das Darjeeling-GI-Siegel zu führen Dürfen ihren Tee nicht legal als „Darjeeling“ zu Premiumpreisen verkaufen
Können direkt über Auktionshäuser und für den Export verkaufen Gezwungen, grünes Blatt zu unregulierten Preisen an Plantagenfabriken zu verkaufen
Profitieren von Lizenzierung und Zertifizierungsinfrastruktur des Tea Board Können ihr Land nicht als Sicherheit für Kredite oder Investitionen einsetzen
Beschäftigen rund 55.000 Menschen, überwiegend zu niedrigen Festlöhnen Kein Zugang zur Zertifizierungs- oder Exportinfrastruktur des Tea Board
Bemalte Häuser zwischen Bäumen an einem steilen Hang in Darjeeling
Häuser an einem Hang in Darjeeling. Unter der khasmahal-Klassifizierung darf eine Familie hier über Generationen bauen, wohnen und Tee anbauen – und besitzt trotzdem für nichts davon eine Urkunde.Foto: Swikriti Rai, Darjeeling.

Was das Parlament tun muss

Die vorgeschlagenen Änderungen sind klar und machbar, ohne drastisch zu sein. Sie sind das Minimum, das nötig ist, um Darjeelings Teeindustrie ins einundzwanzigste Jahrhundert zu holen.

Den Plantation Labor Act 1951 ändern.

Das Modell der Sachleistungen so reformieren, dass der Staat Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Nahrung finanziert, statt sie zur Drückung der Barlöhne einzusetzen. Arbeitende brauchen Löhne, über die sie frei verfügen können, keine Leistungen, die sie an die Plantage binden. Die Durchsetzungsmechanismen brauchen Zähne: Sanktionen bei Verstößen müssen spürbar sein.

Khasmahal-Bewohnern Landtitel gewähren.

Familien, die seit Generationen auf khasmahal-Land leben und wirtschaften, verdienen formale patta-Rechte. Keine symbolischen Mini-Parzellen. Vollständige, übertragbare Titel, die es ihnen erlauben, Kredite aufzunehmen, zu investieren, zu verkaufen oder ihr Land an ihre Kinder weiterzugeben. Diese eine Änderung würde die wirtschaftliche Lage Tausender Kleinbauern über Nacht verändern.

Die GI-Registrierung auf Small Tea Growers ausweiten.

Der GI-Rahmen des Tea Board muss so geändert werden, dass STGs als Erzeuger gleichberechtigt mit den registrierten Plantagen anerkannt werden. Kleinbauern, die innerhalb des Distrikts Darjeeling wirtschaften, sollten das GI-Siegel führen und den damit verbundenen Aufpreis erzielen können. Der derzeitige Ausschluss ist nicht zu rechtfertigen.

Den Preis für grünes Blatt regulieren.

Der Preis, den Plantagenfabriken Kleinbauern für grünes Blatt zahlen, braucht eine transparente, regulierte Untergrenze. Die bestehende Konstellation, in der der Käufer den Preis ohne jede Aufsicht bestimmt, ist kein funktionierender Markt, sondern schlicht Ausbeutung.


Die Reise des Tees aus den Himalaya-Hügeln Darjeelings, ob von STGs oder von Plantagen, endet letztlich in deinem Teegeschirr.
Die Reise des Tees aus den Himalaya-Hügeln Darjeelings, ob von STGs oder von Plantagen, endet letztlich in deinem Teegeschirr. Foto: Swikriti Rai, Darjeeling.

Darjeeling-Tee hat eine Geschichte, für die die Welt zu zahlen bereit ist. Es ist eine Geschichte von Höhenlage, Nebel, besonderen Böden und anderthalb Jahrhunderten Anbauwissen.

Doch sie liegt über einer anderen Geschichte, die ebenso wahr und weit seltener erzählt ist: von kolonialen Landklassifizierungen, die bis heute fortbestehen, von Arbeitenden, deren Familien seit vier Generationen an einem Hang leben und ihn noch immer nicht besitzen können, von Kleinbauern, die den meistgefeierten Tee der Welt anbauen und ihn nicht legal unter seinem eigenen Namen verkaufen dürfen.

Die 87 Plantagen sind Goliath. Sie haben die Pachtverträge, den GI-Zugang, die Infrastruktur des Tea Board, die Auktionshäuser und einen Rechtsrahmen, der um ihre Interessen herum gebaut ist. Die Small Tea Growers sind David.

Sie haben das Land unter ihren Füßen, das Wissen in ihren Händen und keinen Stein zu werfen außer einer Gesetzesänderung, die aufeinanderfolgende Regierungen bislang nicht für nötig gehalten haben.


Quellen: Plantation Labour Act, 1951. Regierung von Indien. · Besky, S. (2014). The Darjeeling Distinction. University of California Press. · Rajbangshi, P.R. & Nambiar, D. (2020). „Who will stand up for us?“ International Journal for Equity in Health. · World Tea News (2024). Darjeeling Gears Up for Potential Paradigm Shift in Tea Cultivation. · Sikkim Project (2024). Tea Estates to Tea Tourism: Darjeeling’s Changing Landscape. · Next IAS (2022). Crisis of Darjeeling Tea Industry. · Centre for Financial Accountability (2023). The mismatch in land demand vs land policy in West Bengal’s tea gardens.